Licht, Musik, Heizung – alles per Knopfdruck oder automatisch: Smarthome-Systeme machen den Alltag einfacher. Stefan Beeler, Leiter Gebäudeinformatik erklärt im Interview, was heute möglich ist und wie auch ältere Häuser davon profitieren können.
18. Juli 2025
Wann haben Sie sich zuletzt gefragt, ob zu Hause alle Lichter gelöscht sind?
Diese Frage stellt sich mir heute kaum mehr – ein Knopfdruck genügt, und alles ist aus. Viel eher muss ich mich fragen, ob noch jemand zu Hause ist. Denn das kommt gar nicht gut an, wenn man jemanden plötzlich im Dunkeln sitzen lässt.
Und wie ist das bei den Fenstern, bekommen Sie eine Meldung aufs Smartphone, wenn zum Beispiel noch eins offen ist?
Ich bin erst später ins Thema Smarthome eingestiegen, also nicht gleich zu Beginn beim Hausbau. Die Fenster sind nicht in das System eingebunden – sie werden bei mir also nicht überwacht.
Lassen sich verschiedene Funktionen kombinieren – und bei Bedarf auch nachträglich einbauen?
Absolut. Je mehr Elemente man vernetzt, desto raffinierter und cleverer lässt sich das System steuern – ganz nach den eigenen Bedürfnissen.
Was gehört diesbezüglich bei neueren Gebäuden in der Region mittlerweile zum Standard?
Das ist unterschiedlich. Am häufigsten werden Systeme für Lichtsteuerung, Storen und Heizung umgesetzt. Stark im Kommen ist zurzeit die Integration von Musikanlagen. Und das ist heute mehr als nur Musik: Gleichzeitig dient das System auch zur Besucherankündigung.
Wie das?
Wenn jemand an der Tür steht, wird das nicht nur über die Klingel signalisiert – die Musik fährt automatisch runter, und der Lautsprecher übernimmt gleichzeitig die Klingelfunktion. In gewissen Fällen blinkt es zusätzlich irgendwo im Raum. Ich finde das ziemlich beeindruckend. Je mehr man in ein solches System integriert, je mehr Funktionen man verbindet, desto cleverer kann man das Ganze gestalten. Am Ende ist es einfach eine Frage der Möglichkeiten, die man nutzt.
Alles nur Luxus – oder der bringt ein Smarthome wirklich eine spürbare Erleichterung im Alltag?
Es macht vieles bequemer, nimmt einem Arbeit ab – und nicht zuletzt spart es auch Energie und Ressourcen.
Wie technikaffin muss man für ein Smarthome sein? Funktioniert das Ganze intuitiv?
Ein Smarthome darf nicht kompliziert sein, sonst stimmt etwas nicht. Dann wurde es entweder falsch konzipiert oder falsch gedacht. Ein wirklich gutes Smarthome funktioniert intuitiv.
Welche Möglichkeiten hat man, wenn das eigene Haus schon etwas älter ist?
Es gibt praktisch immer eine Lösung, auch bei älteren Gebäuden. Viele Funktionen können nämlich auch funkbasiert umgesetzt werden. Das heisst, man muss nicht zwingend neue Kabel verlegen, damit die Komponenten miteinander kommunizieren.
Welche Funktionen sind besonders beliebt?
Viele unserer Kundinnen und Kunden wünschen sich eine Lösung in ihrer Ferienwohnung oder ihrem Ferienhaus. Sie möchten die Räumlichkeiten während ihrer Abwesenheit in eine Art Ruhezustand versetzen. Gleichzeitig wollen sie aber die Möglichkeit haben, das Haus oder die Wohnung im Voraus zu aktivieren – zum Beispiel am Tag vor der Anreise in die Skiferien die Heizung hochzufahren. Ein zweiter grosser Beweggrund ist die Steuerung per Smartphone. Viele finden es heute spannend und praktisch, sämtliche Funktionen direkt auf dem Handy zu sehen und zu steuern, sei es aus der Wohnung selbst oder unterwegs. Das hat in letzter Zeit stark an Bedeutung gewonnen.
Welchen Einfluss haben Photovoltaikanlagen und E‑Mobilität?
Die Leute suchen heute nach durchgängigen Systemen, in denen alles miteinander vernetzt ist. Sie möchten nicht für die Ladestation ein separates System und für die PV-Anlage ein anderes. Ziel ist eine einheitliche Lösung – alles aus einem Guss. Der grosse Vorteil ist, dass wenn die Photovoltaikanlage gerade viel Strom produziert, lassen sich gezielt Geräte einschalten oder das Elektroauto laden. So wird der selbst erzeugte Strom optimal genutzt. Genau darin liegt auch das Potenzial moderner Smarthome-Systeme. Sie verknüpfen Energieerzeugung, ‑speicherung und ‑verbrauch intelligent miteinander.
Smarthome-Lösungen bieten viele Möglichkeiten – haben aber auch ihren Preis. Wie viel muss man investieren?
Der Preis ist so individuell wie die Lösung selbst. Es kommt ganz darauf an, was man integrieren möchte und wie umfassend das System sein soll.
Konkret?
Bei einem Neubau sprechen wir da von etwa 1,5 bis 2 Prozent der gesamten Bausumme. Damit erhält man in der Regel eine Grundausstattung – also Steuerungsmöglichkeiten für Licht, Storen und Heizung. Sehr einfache Systeme konnten wir schon ab rund 6000 Franken realisieren. Am anderen Ende der Skala hatten wir aber auch Projekte mit einem Volumen von bis zu 75’000 Franken.
Rechnet sich ein Smarthome auch finanziell – Stichwort Energiesparen?
Studien zeigen, dass mit einem Smarthome zwischen 10 und 30 Prozent Energie eingespart werden können. Allerdings kommt es stark auf die Ausgangslage an. In einem modernen Neubau mit guter Isolation und Wärmepumpe wird es eine echte Herausforderung, nochmals 10 bis 12 Prozent herauszuholen. Anders sieht es bei älteren Gebäuden aus, zum Beispiel aus den 60er- oder 70er-Jahren, die noch mit Öl beheizt werden. Wenn man dort gezielt optimiert und automatisiert, sind durchaus Einsparungen bis zu 30 Prozent möglich.
Wie steht es um die Datensicherheit? Weiss der Anbieter dann, wann ich das Haus verlasse oder welche Musik ich höre?
Die Datensicherheit ist gewährleistet. Moderne Smarthome-Systeme arbeiten mit klar definierten Datenschutzrichtlinien.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz (KI) bei der Weiterentwicklung von Smarthomes?
Wir spüren deutlich, dass sich in den letzten Jahren wieder einiges bewegt hat. Wir haben uns dem Thema Smarthome bereits vor rund 20 Jahren verschrieben und sind damals voller Pioniergeist gestartet. Anfangs war das Ganze eher ein Luxusthema, das sich nur wenige leisten konnten. Doch inzwischen kommt es zunehmend in der Breite an. Gerade bei Neubauten ist Smarthome heute häufig ein fester Bestandteil.
Kann ein intelligentes Zuhause auch soziale Nachhaltigkeit fördern – etwa durch altersgerechte Assistenzfunktionen?
Ja, definitiv. Ich kenne zum Beispiel ein Altersheim, in dem Smarthome-Technologie gezielt eingesetzt wird. Das funktioniert über ein Armband mit einem roten Knopf – ganz simpel, aber effektiv. In einem Notfall kann die Person den Knopf drücken, ähnlich wie bei bekannten Notrufsystemen. Wenn der Alarm ausgelöst wird, öffnet sich zum Beispiel automatisch die Haustür für Rettungskräfte. Das Licht im Flur oder in bestimmten Räumen geht gezielt an, sodass Helfende schnell und sicher zur Person finden können. Solche Anwendungen zeigen, wie Smarthomes konkret zur sozialen Nachhaltigkeit beitragen können, besonders im Bereich des altersgerechten Wohnens.
Erst vor wenigen Wochen waren Teile der Schweiz mit einem Stromausfall konfrontiert. Wie reagieren Smarthome-Systeme in solchen Fällen? Steht man plötzlich vor verschlossener Haustüre?
Wenn wir ein Smarthome-System umfassend planen, dann bauen wir in der Regel auch einen gewissen Schutz gegen Stromausfälle ein – zumindest für eine gewisse Zeitspanne, etwa eine halbe Stunde bis zu einer Stunde zur Überbrückung. Für kurzfristige Ausfälle ist das also kein Problem. Aber wenn der Strom längere Zeit weg ist, wie kürzlich im Saastal, dann kann es tatsächlich kritisch werden.
Braucht es also einen Plan B?
Genau. Deswegen sage ich immer: Man sollte sich bewusst ein «Hintertürchen» offen halten. Also konkret – ein physischer Schlüssel oder ein manuelles Back-up sollte immer vorhanden sein. Ich bin der Letzte, der sagt: «Du brauchst keine Lichtschalter oder keinen Schlüssel mehr.» So weit würde ich nie gehen. Es kann immer etwas Unerwartetes passieren, und dann stehst du sonst plötzlich wortwörtlich im Dunkeln oder vor verschlossener Tür.
Autorin: Petra Imsand
Dieser Beitrag ist Teil der Serie «Nachhaltig Schwyz» im Boten der Urschweiz, erschienen am 28. Juni 2025
Ein vernetztes Zuhause
Ein Smart Home erhöht Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz. Je nach System lassen sich verschiedene Funktionen zentral steuern – etwa über App, Sprachbefehl oder Automatisierung. Typische Smart-Home-Komponenten sind:
Alarmanlage
Schutz vor Einbruch und unerwünschtem Zutritt
Autoladestation
Steuerung und Optimierung des Ladevorgangs für E-Autos
Kontrollierte Wohnungslüftung
automatischer Luftaustausch für besseres Raumklima
Musiksystem & TV
Multiroom-Audio für Musik im ganzen Haus (z.B. Sonos). Einbindung in zentrale Steuerung für Audio/Video-Erlebnisse
Tür- und Fensterkontakte
Meldung bei offen stehenden Fenstern oder unbefugtem Öffnen
Überschusssteuerung
intelligente Nutzung von Solarstrom, zum Beispiel für Wärmepumpen oder das Laden von E-Autos
Wassermelder
Warnung bei Wasserschäden in Keller, Bad oder Küche
Wetterstation
Messung von Temperatur, Wind, Helligkeit oder Regen zur Automatisierung von Markisen, Jalousien oder Heizsystemen.
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